Berührende Momente und quakende Enten
Bregenzer Festspiele präsentieren "Aida" und "Die Passagierin"
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Bregenz, 08.07.10. Knapp zwei Wochen vor den Premieren gaben die Bregenzer Festspiele heute, Donnerstag, an ihrem traditionellen Pressetag einen Einblick in die Probenarbeit für die beiden großen Produktionen, das Spiel auf dem See Aida und die Oper im Festspielhaus, Die Passagierin.
"Bedeutungsvollstes Programm meiner Intendanz"
Während Verdis monumentale Wüstenoper in der Inszenierung des Engländes Graham Vick ab 22. Juli auf der Seebühne in ihre "zweite Runde" geht, bedeutet die Oper im Festspielhaus Die Passagierin von Mieczyslaw Weinberg für Intendant David Pountney "die Erfüllung einer langen Reise".
Es handle sich heuer um das "bedeutungsvollste Programm" seiner Intendanz, so Pountney, der bei Die Passagierin auch Regie führt. In Bregenz sei man es ja gewohnt, Entdeckungen zu machen, die Retrospektive dieses vergessenen polnisch-russischen Komponisten sei aber von größerer Tiefe, sagte Pountney.
Totalitarismus "Krankheit der Menschheit"
Der griechische Dirigent Teodor Currentzis, bei dem die musikalische Leitung der Passagierin liegt, betonte, dass dieses Stück aus zweierlei Gründen sehr aufführungswürdig sei: einerseits wegen seiner musikalischen Qualitäten, andererseits aus politischen Gründen. Totalitarismus erfasse die Menschheit wie eine Seuche, das sei "eine große Krankheit der Menschheit", erklärte er. Weinberg habe aus seiner persönlichen Erfahrung heraus ein besonderes Gespür für das damit verbundene Leid gehabt.
Berührender Moment
Elena Kelessidi, die die Rolle der Martha singt, berichtete von dem berührenden Moment, als sie Auschwitzüberlebende Zofia Posmysz kennenlernte, auf deren gleichnamigem Roman Weinbergs Oper basiert. "Ich bin sehr glücklich, Martha sein zu dürfen. Und ich bin die erste Martha überhaupt", so Kelessidi.
Weinbergs Stück sei schwer zu singen, aber sehr interessant und die Atmosphäre bei den Bregenzer Festspielen einfach wunderbar: "Man merkt jeden Tag, dass hier Oper für alle gemacht wird, und das gefällt mir einfach sehr gut!"
Aida wiederaufstehen lassen
Im Zentrum der Aida-Pressekonferenz stand die Frage, ob Regisseur Graham Vick denn gegenüber dem vergangenen Jahr Änderungen durchführen würde. Jede Vorstellung auf der Seebühne sei anders, sagte Vick, aber: "Ich habe im vergangenen Jahr nicht verraten, wie das Stück werden wird, und ich werde dieses Jahr nicht sagen, was ich verändert habe. Kommen Sie und sehen sie selbst!"
Natürlich könne man sich im zweiten Jahr besser auf die Proben konzentrieren, da viele wichtige Entscheidungen schon gefallen seien, so Vick weiter. Dennoch benötige es auch in einem zweiten Sommer viel Konzentration: "Wenn alle glauben, sie wissen, wie es geht - das ist der Moment, in dem die Vorstellung stirbt. Es muss also bei allen Proben und bei allen Vorstellungen für alle so sein, als machten sie das zum ersten Mal", verriet Vick sein Rezept. Gehe es im ersten Jahr darum, die Aufführung überhaupt auf die Beine zu stellen, gelte es im zweiten Jahr, sie auferstehen zu lassen.
Enten als größte Konkurrenz
Als Mitwirkende erzählten der Amerikaner Arnold Rawls (Radames) und Armenierin Karine Babajanyan, die in diesem Sommer ihr Rollendebüt als Aida geben wird, von ihren Erlebnissen bei den Proben. Vick vermittle seinen Sängern sehr gut die Idee hinter Aida, berichtete Babajanyan. Die Arbeit auf der Seebühne sei jedenfalls nie Routine: "Die Natur ist immer anders, es gibt Wind, es gibt Sonne und die Enten quaken mit uns. Sie sind unsere größten Konkurrenten", lachte die Sängerin.
"Ich hätte keine Pizza essen sollen"
Rawls betonte, man müsse die Rolle des "Radames" auf der Seebühne schon allein körperlich sehr fit sein. Außerdem habe man in Bregenz die "seltsame Vorstellung", dass Künstler nicht nur gut singen, sondern auch gut schauspielen müssen, grinste der Amerikaner. Gefragt, ob sich für ihn im zweiten Jahr etwas ändert, berichtete Rawls von einer Probe, in der er in einem Netz gefangen wilde Schaukelbewegungen überstehen und gleichzeitig singen musste: "Ich hätte vorher doch keine Pizza essen sollen", witzelte er.
(BK / red.)





















