Paradies Moskau
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Pech in der Liebe, Glück im Silo
Dmitri Schostakowitschs Paradies Moskau
Als Dmitri Schostakowitsch 1959 seine rasante und unbeschwerte musikalische Komödie Paradies Moskau komponierte, war Stalin tot und Chruschtschow dabei, Moskau mithilfe korrupter Architekten und ehrloser Handwerker neu aufzubauen. Er füllte die Vororte mit riesigen Wohnblöcken aus Beton und versprach all jenen ein neues Paradies auf Erden, die ihr Leben bisher in den überfüllten Slums der Moskauer Innenstadt gefristet hatten.
Im Zentrum von Paradies Moskau steht eine Gruppe Moskauer Bürger, die versucht, all die skrupellosen Apparatschiks auszutricksen, um an die begehrten Wohnungen im neuen Stadtteil Cheryomushki zu kommen. Wir treffen die dralle Bauarbeiterin Lusya und ihren schwächlichen Freund Sergei, der als Chauffeur für den lokalen Parteibonzen Drebednyov arbeitet. Da sind Sasha und seine Frau, die gar keine eigene Wohnung haben, und sich ihre intimen Momente an Straßenecken und in Metrostationen stehlen müssen. Und da ist Sashas gewissenhafte Kollegin Lidochka, die sich in den Nichtsnutz Boris verliebt. Sie alle träumen vom Paradies, doch was sie bekommen, ist eine Vorstadt ohne Busse, Straßen und Geschäfte – und die Erkenntnis, dass die alte, enge Stadthölle vielleicht gar nicht so schlecht war.
Faible für leichte Musik
Paradies Moskau ist Schostakowitschs vergessenes Werk. 1959 geschrieben, ist das Stück mehr Operette als gewichtige Oper: Schostakowitsch hatte sein Leben lang ein Faible für leichte Musik, Operetten und Musicals. In den späten Fünfziger Jahren wurde einer seiner Freunde Dirigent am Moskauer Operettentheater, wodurch sich dem Komponisten endlich die Gelegenheit bot, dieses Genre mit Paradies Moskau einmal selbst auszuprobieren.
Das Ergebnis ist eine höchst unterhaltsame Satire, die sich über die Korruption und den Idealismus in der Zeit nach Stalin lustig macht – und über Chruschtschows berühmt-berüchtigten Ehrgeiz, fast die gesamte Bevölkerung Moskaus in neuen, in Windeseile aus dem Boden gestampften, hochmodernen Wohnblocks unterzubringen, die über Annehmlichkeiten wie Kühlschränke und Aufzüge verfügten.
Er habe ein ernstes Thema auf fröhliche Art und Weise behandeln wollen, sagt Schostakowitsch damals, und es ist ihm gelungen: Paradies Moskau sprüht vor Energie. Das Werk ist voll von Ohrwürmern, schmissigen Tanznummern und witzigen Dialogen, gespickt mit Anspielungen auf die Musik Offenbachs und Tschaikowskys und wundervollen Parodien auf Dauerbrenner wie Dornröschen oder Die Lustige Witwe.
"Paradies Moskau ist ein faszinierendes Werk, in dem sich Schostakowitsch über die Wohnbauprobleme der sowjetischen Hauptstadt lustig macht. Komponiert während der Chruschtschow-Ära, ist es voller subversiver Anspielungen, getarnt von der Unschuldigkeit der Musik, die zahlreiche russische Komponisten parodiert." BBC Music Magazine
Die musikalische Leitung von Paradies Moskau liegt bei James Holmes, die Inszenierung stammt von David Pountney, das Bühnenbild von Robert Innes Hopkins, für die Choreographie zeichnet Craig Revel Horwood verantwortlich. Zu sehen ist Paradies Moskau am 15. August 2009 um 11.00 Uhr. #
Dmitri Schostakowitsch
Paradies Moskau
Premiere: 15. August 2009 - 11.00 Uhr
Festspielhaus
Musikalische Leitung: James Holmes
Inszenierung: David Pountney
Wiederaufnahme: Caroline Clegg
Bühne & Kostüme: Robert Innes Hopkins
Choreographie: Craig Revel Horwood
Licht: Fabrice Kebour
Chorleitung: Timothy Burke
Orchester, Chor & Statisterie der Opera North, Leeds
Gastspiel der Opera North, Leeds
Preise: EUR 60/45/26/15
Dokumente
© Bregenzer Festspiele / Babette Karner
Aus eins mach’ drei – im Festspielhaus:
Drei Werke rund um Liebe, Wohnbau, Faltenfreiheit
© Bregenzer Festspiele









