Oper im Festspielhaus 2011
"Achterbahn" von Judith Weir
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Eine junge Frau zwischen Glück und Unglück, zwischen Schicksalsschlägen und unerwarteten Wendungen: Den Anfang im Reigen neuer Kompositionen im Festspielhaus macht im kommenden Sommer die Oper Achterbahn der bekannten britischen Komponistin Judith Weir, eine Koproduktion mit der Royal Opera Covent Garden in London. Premiere ist am 21. Juli 2011.
Achterbahn handelt von einer jungen Frau, deren wohlhabende Familie plötzlich verarmt. Das Mädchen beschließt, sich mit Knochenarbeit den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch jedes Mal, wenn sich ihr Leben zu bessern scheint, schlägt das Unglück erneut zu. Später macht sie die Bekanntschaft ihres personifizierten, eigenen Schicksals, und ihr Leben wendet sich tatsächlich zum Guten.
Über das Auf und Ab des Lebens oder: Ruhig bleiben, weitermachen!
Weirs Oper ist eine Geschichte über das Schicksal, eine Art Gleichnis über das Auf und Ab des Lebens – und darüber, dass sich uns die Beurteilung diverser Daseinsprüfungen in dem Moment, in dem sie passieren, oft entzieht. Als Inspiration und Grundlage für Achterbahn diente Judith Weir das sizilianische Volksmärchen Sfortuna. Die Oper zeigt, wie sich bisweilen alle Anstrengungen als nutzlos erweisen können, nur um sich später dennoch als vorteilhafte Geschehnisse herauszustellen. Die Geschichte lehrt weniger Geduld als vielmehr Gleichmut und Durchhaltevermögen, und rät, angesichts vermeintlicher Schicksalsschläge nicht sofort zu verzagen: Weiß man doch nie, was kommt.
Die musikalische Leitung von Achterbahn liegt beim Briten Paul Daniel, die Inszenierung übernimmt der in New York lebende chinesische Regisseur Chen Shi-Zheng, das Bühnenbild stammt vom Briten Tom Pye. Die Kostüme entwirft die Chinesin Han Feng, für das Licht zeichnet der Amerikaner Scott Zielinski verantwortlich, für das Videodesign die Schottin Leigh Sachwitz mit ihrer Agentur für Visual Design und Motion Graphics flora&faunavisions / berlin.
Große Leidenschaft für das Geschichtenerzählen
Judith Weir gilt als eine der interessantesten Komponistinnen, die Großbritannien in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ihr großes Interesse an Folklore und Volksmusik – von Schottland, wo ihre Familie ihre Wurzeln hat, bis hin zu Island, Indien und China – hat ihren ganz persönlichen Stil geprägt. Viele von Weirs Opernwerken basieren auf fantastisch-traumvollen Märchenstoffen, denn ihre ganze Leidenschaft gehört dem Geschichtenerzählen.
Weirs musikalische Sprache ist frei von allen modernen Klischees; sie ist zugleich eigenwillig und zugänglich, unterhaltsam und kommunikativ. Ihr feines Ohr für Melodien und Effekte und ihre bemerkenswerte Fähigkeit, der schlichtesten Idee einen frischen und unverbrauchten Klang zu verleihen, haben sie zu einer bei Publikum und Kritik gleichermaßen beliebten Komponistin gemacht.
1954 als Kind schottischer Eltern im englischen Cambridge geboren, erhielt Judith Weir ihre musikalische Ausbildung ebendort. 1985 feierte ihre erste Bühnenarbeit Die schwarze Spinne Premiere. In Folge schrieb sie eine weitere „Mikro-Oper“, die drei abendfüllenden Opernwerke A Night at the Chinese Opera, The Vanishing Bridgegroom und Der Blonde Eckbert sowie gemeinsam mit Margaret Williams die Oper Armida für den englischen TV-Sender Channel Four.
Aber auch Weirs Kompositionen für Orchester und Kammerensemble fanden internationale Anerkennung, darunter woman.life.song (2000), ursprünglich geschrieben für die Sopranistin Jessye Norman (in Bregenz zu hören am 20. August) und We are Shadows (1999) für den Dirigenten Simon Rattle. Ihre neueste Komposition CONCRETE (2008) wurde im vergangenen Festspielsommer mit viel Beifall aufgenommen: „Nach dieser eindrucksvollen Kostprobe dürfte die Vorfreude auf Achterbahn deutlich zugenommen haben“, hieß es etwa in der Austria Presse Agentur.
Judith Weir über Achterbahn
Die ursprüngliche Inspiration für meine neue Oper war die Geschichte Sfortuna (Unglück), die eine Sizilianerin namens Agatuzza Messia dem aus Palermo stammenden Arzt Giuseppe Pitrè, einem im 19. Jahrhundert gefeierten Chronisten der sizilianischen Kultur, erzählt hat. Eine Version dieser Geschichte findet sich auch in Italo Calvinos italienischen Märchen Fiabe Italiane.
Sfortuna handelt von einer jungen Frau, deren wohlhabende Familie plötzlich verarmt. Das Mädchen beschließt daher, selbst ihren Weg zu machen und sich mit Knochenarbeit den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch jedes Mal, wenn sich ihr Leben zu bessern scheint, schlägt das Unglück erneut zu. Später macht sie die Bekanntschaft ihres personifizierten, eigenen Schicksals und ihr Leben wendet sich tatsächlich zum Guten. Am Ende ist das Mädchen wieder genauso wohlhabend und glücklich wie zu Beginn.
Mir erschienen an der Originalgeschichte vor allem die realistische Darstellung von Frauen bei der Arbeit und ihr Leben Seite an Seite mit der Welt des Übernatürlichen bemerkenswert. Versetzt man diese Geschichte in die heutige Zeit und verwandelt sie in eine Oper, dann offenbart sich sehr viel Realismus: die große Kluft zwischen Arm und Reich; die dunkle Welt schlecht bezahlter Jobs in Sweatshops, Fast-Food-Läden und der Reinigungsindustrie; Menschen, die sich mit zufälligen Ereignissen verbissen abfinden und diese einfach als Pech und Schicksalsschläge interpretieren. Der Aberglaube hat immer noch Hochkonjunktur: Man sucht Erlösung im Glücksspiel; fantastische Reichtümer, gewonnen entweder in der Lotterie oder am Aktienmarkt; man glaubt an Vorsehung, Astrologie und Wahrsagerei.
Oper im Festspielhaus
Judith Weir
Achterbahn
Premiere: 21. Juli 2011 - 19.30 Uhr
Weitere Aufführungen:
24. Juli – 11.00 Uhr
28. Juli – 19.30 Uhr
Dauer: 1 3/4 Stunden (Pause nach der 5. Szene)
Festspielhaus
Musikalische Leitung: Paul Daniel
Inszenierung: Chen Shi-Zheng
Bühne: Tom Pye
Kostüme: Han Feng
Licht: Scott Zielinski
Video: Leigh Sachwitz / flora&faunavisions
Chorleitung: Lukas Vasilek
Wiener Symphoniker
Prager Philharmonischer Chor
Eine Koproduktion der Bregenzer Festspiele mit dem Royal Opera House Covent Garden, London
Preise: EUR 95 / 80 / 65 / 50 / 40 (Premierenzuschlag Kat. 1-3: pro Ticket EUR 25)
(bk)
Dokumente
© Bregenzer Festspiele / Babette Karner
Die Komponistin der Oper im Festspielhaus über die Vorteile von Märchen, über ein Universum aus Zufällen und darüber, dass die allererste Inszenierung eines neuen Werks für sie stets etwas ganz Besonderes ist.











