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Orchesterkonzerte 2012

Einsamkeit, Frankenstein und "Gottes Musikant"

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Werke von Anton Bruckner und Detlev Glanert stehen 2012 im Zentrum der Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker und des Symphonieorchesters Vorarlberg. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit dem exzentrischen  Griechen Teodor Currentzis, der 2010 am Pult von Weinbergs Die Passagierin für Furore gesorgt hat, sowie einen Ausblick auf die Musikwelt des Österreichers HK Grubers, des Komponisten der Oper im Festspielhaus 2013 Geschichten aus dem Wiener Wald.


Im ersten Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker dirigiert der bekannte deutsche Dirigent Markus Stenz am 23. Juli Detlev Glanerts 2010 uraufgeführtes Werk Einsamkeit, eine Bearbeitung des gleichnamigen Schubert-Lieds, sowie Anton Bruckners 5. Symphonie. Das ist nicht Stenz einziger Einsatz im kommenden Sommer: Ihm obliegt auch die musikalische Leitung der Uraufführung von Solaris.


Der 30. Juli bringt ein Wiedersehen mit aus Griechenland stammenden und in Russland lebenden Teodor Currentzis, der 2010 am Pult von Weinbergs Die Passagierin 2010 in Bregenz für Furore gesorgt hat. Currentzis dirigiert auch diesmal ein Werk des polnisch-russischen Komponisten: Unter anderem steht Weinbergs Konzert für Violoncello und Orchester in c-Moll auf dem Programm.


Am 6. August nimmt der österreichischen Komponist und Dirigent HK Gruber, aus dessen Feder die Oper im Festspielhaus 2013 Geschichten aus dem Wiener Wald stammt, gleich selbst den Taktstock in die Hand. Dem nicht genug: Auch als Chansonnier wird der vielseitige Künstler an diesem Abend zu erleben sein.


Auf dem Programm dieses Konzerts, das HK Gruber als Ausblick auf den kommenden Festspielsommer selbst kuratiert hat, steht neben Kompositionen von Hanns Eisler und Kurt Weill auch HK Grubers eigenes Werk FRANKENSTEIN!!, in dem sich blaublütigen Blutsauger und wahnsinnige Wissenschaftler, Leinwand-Bösewichter und Kinderbuch-Scheusale die musikalische Türklinke in die Hand geben.


Das Symphonieorchester Vorarlberg spielt in seiner traditionellen Matinee am 12. August unter der Leitung seines Chefdirigenten Gérard Korsten Anton Bruckners 4. Symphonie und Detlev Glanerts Theatrum bestiarum.


Der Klangmagier: Detlev Glanert

Detlev Glanert gilt als wahrer Könner des Melodisch-gestischen. Seine Musik ist gleichermaßen dramatisch effektiv und unmittelbar fesselnd. Gustav Mahler und Maurice Ravel zählt der 1960 geborene Glanert zu seinen Vorbildern, und seine Werke spiegeln die romantische Tradition durchaus wieder – betrachten sie aber von einem modernen Standpunkt aus. Im kommenden Sommer werden neben der Uraufführung seiner neuen Oper Solaris auch zwei seiner Orchesterwerke zu hören sein: Einsamkeit, Glanerts die Bearbeitung des gleichnamigen Schubertlieds, und das 2005 entstandene Theatrum bestiarum.


Einsamkeit ist die Orchestrierung eines der längsten Schubertlieder überhaupt: Das 1818 komponierte Lied sprengte den damals üblichen formalen und harmonischen Rahmen dieser Kunstform und nahm auch für Schubert eine Sonderstellung ein. "Die Expressivität und Verschiedenheit der musikalisch geschilderten Situationen gab Veranlassung, durch Instrumentation eine größere Klarheit und Steigerung des Ausdrucks und der gestischen Zeichnung zu erzielen und auch die atemberaubenden Modulationen farblich zu gestalten", so Glanert über seine Bearbeitung.


Das zweite Werk, zu hören im Konzert des Symphonieorchesters Vorarlberg am 12. August ist das 2005 uraufgeführte Theatrum bestiarum. Ein Auftragswerk für die BBC Proms in London, war das Stück eine Vorarbeit für Glanerts Oper Caligula. Es sei allerdings nicht nur konzipiert als Studie für eine Bühnenarbeit, so Glanert damals, sondern auch als eine Art anatomischer Präparation "des Menschen als Bestie: ein Einblick in die innere Seele des Monsters, das Menschen bisweilen werden können."


Der "Musikant Gottes": Anton Bruckner

"Musikant Gottes" hat man ihn genannt und wer je eines seiner Werke auf der riesigen Orgel im oberösterreichischen Stift St. Florian gehört hat, auf der er selbst zu spielen pflegte und unter der man ihn schließlich im Jahr 1896 auf eigenen Wunsch beigesetzt hat, weiß warum. Die Rede ist vom Österreicher Anton Bruckner, dessen 4. und 5. Symphonie im Rahmen der Orchesterkonzerte zu hören sein werden.


Der 1824 in Ansfelden in Oberösterreich geborenen Bruckner gilt als einer der wichtigsten und innovativsten Komponisten seiner Zeit, auch wenn die Werke dieses tief religiösen Menschen erst gegen Ende seines Lebens die Anerkennung der Zeitgenossen fanden.


Bruckners Musik wurzelt in seiner tiefen Religiosität, ihr monumentaler Stil verleiht ihr geradezu kultischen Charakter. Seine groß angelegten Sinfonien mit ihren eigentümlich organischen Formen und weit ausschwingenden Melodien erscheinen ins kaum noch Überschaubare geweitet.


Bruckner gab seiner 4. Symphonie den Beinamen "Die Romantische". 1881 uraufgeführt, gehört sie mit ihren Hornklängen, feierlichen Bläserchorälen, stilisierten Naturlauten und oszillierenden Klangflächen auch heute noch zu seinen beliebtesten Werken. Seine 1894 uraufgeführte 5. Symphonie nannte Bruckner die "Phantastische". Ihr Finale bezeichnete der Dirigent Wilhelm Furtwängler einmal als "das monumentalste Finale der Weltgeschichte" und tatsächlich gelingt Bruckner mit einer finalen Synthese aus dem gesamten musikalischen Material der ganzen Symphonie ein außergewöhnlicher kompositorischer Kraftakt.



WIENER SYMPHONIKER


23. Juli 2012 - 19.30 Uhr

Festspielhaus

Dirigent: Markus Stenz

Franz Schubert: - Detlev Glanert: Einsamkeit (D 620) für Sopran und Orchester

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 5 B-Dur


30. Juli 2012 - 19.30 Uhr

Festspielhaus

Dirigent: Teodor Currentzis

M Weinberg: Konzert für Violoncello und Orchester c-moll, op. 43

S. Prokofjew: Symphonie Nr. 5 in B-Dur, Opus 100



6. August 2012 - 19.30 Uhr

Festspielhaus

Dirigent: HK Gruber

Hanns Eisler: Suite Nr. 3 Kuhle Wampe

Hanns Eisler: "Angst" aus Höllenangst

Kurt Weill / Bertolt Brecht: Die sieben Todsünden

HK Gruber: Frankenstein!!



SYMPHONIEORCHESTER VORARLBERG


12. August 2012 - 11.00 Uhr

Festspielhaus

Dirigent: Gérard Korsten

Anton Bruckner: Symphonie Nr. 4 Es-Dur

Detlev Glanert: Theatrum bestiarum




(bk)