65. Bregenzer Festspiele feierlich eröffnet
Aufruf von Fischer für "mehr Herz für die Fremde und für eine Kunst, die die Xenophobie überwindet"
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Bregenz, 21.07.10. Bundespräsident Heinz Fischer hat am Mittwoch in einem Festakt die 65. Bregenzer Festspiele eröffnet. Die von Intendant David Pountney gestaltete Eröffnungfeier, an der auch Vizekanzler Josef Pröll (V), weitere Regierungsmitglieder und Gäste aus dem benachbarten Ausland teilnahmen, wurde von Musik von Weinberg dominiert. In Deutschland lebende Autoren mit internationalen Wurzeln - Wladimir Kaminer, Asfa- Wossen Asserate, Helge Timmerberg, Ilija Trojanow und Galsan Tschinag - beteiligten sich als Videobotschafter zum Thema "In der Fremde" an dem Festakt.
Festspiel-Intendant David Pountney bot in der von ihm gestalteten Eröffnung ein kurzweiliges Programm, das sich auch Vizekanzler Josef Pröll (V), weitere Regierungsmitglieder und Gäste aus dem benachbarten Ausland nicht entgehen ließen. Es dominierte Musik von Weinberg. Viel Applaus erhielten "Aida" Maria Jose Siri für "Oh Patria Mia" und Svetlana Doneva für die Arie der Martha aus "Die Passagierin", begleitet vom Bregenzer Hausorchester, den Wiener Symphonikern.
"Mehr Sensibilität für andere Menschen"
Bundespräsident Fischer nahm in seiner Rede auf das Festspiel-Motto "In der Fremde" Bezug. Er sprach von dem fehlenden Verständnis Österreichs, in den ersten Jahren nach 1945 Vertriebene wieder aufzunehmen. Mitte der 1950er Jahre während der Ungarnkrise, nach der Niederschlagung des Prager Frühlings oder dem Militärputsch in Chile habe sich das Land jedoch "von seiner besten Seite gezeigt". In Anlehnung an diese Zeit warnte Fischer von der "Gefahr vom Weg einer humanen und humanistischen Grundeinstellung gegenüber Menschen aus anderen Nationen oder Kultur abzuweichen".
Der Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen falle uns offenbar ganz und gar nicht leicht, obwohl Österreich dem Fremden viel verdanke, so der Bundespräsident. In seiner Rede rief Fischer zu mehr Sensibilität für das Schicksal anderer Menschen und zu "mehr Herz für die Fremde und für eine Kunst, die die Xenophobie überwindet"auf und appellierte an die junge Generation, grenzenüberschreitend das zu sehen, was sie alle verbinde, "nämlich die gemeinsame Menschenwürde".
"Zuwanderer bereichern unsere Identität"
Kulturministerin Claudia Schmied (S) erklärte, es sei "unsere Aufgabe, uns dringend und nachhaltig" mit der Frage des Umgangs mit in Österreich lebenden Vertriebenen auseinanderzusetzen. Manche politischen Gruppen im Land behaupteten, die österreichische Kultur sei durch Zuwanderung gefährdet. Wenn man aber die eigenen Werte mit großer Selbstsicherheit lebe, müsse man sich davor nicht fürchten. Flüchtlinge oder Zuwanderer könnten dann unsere Identität vielmehr bereichern, erklärte Schmied. "Diese Angst vor der Großzügigkeit zu bewältigen, ist die Herausforderung, vor die wir in Österreich heute gestellt sind", betonte Schmied.
"Ein Schicksal, das uns alle tief berührt"
Festspielpräsident Günter Rhomberg hieß nicht nur die Festgäste, sondern vor allem die Auschwitzüberlebende Zofia Posmyz willkommen, aus deren Feder die Romanvorlage der 1968 von Mieczyslaw Weinberg komponierten Oper "Die Passagierin" stammt. "Ihr persönliches Schicksal als ehemalige Insassin eines Konzentrationslagers berührt uns alle tief", erklärte Rhomberg in Richtung der Autorin, die daraufhin den besonderen Beifall der Anwesenden erhielt.
Videobotschaften internationaler Autoren
Vom Publikum mit viel Interesse aufgenommen wurden die Videobotschaften internationaler Autoren zum Thema "In der Fremde". Selbst zwischen zwei Menschen könnten ganze Kontinente sein, er selbst gehe "lächelnd auf das Fremde zu", erklärte der mongolisch-stämmige Galsan Tschinag. Ilija Trojanow betonte, dass das Exil in der Kunst oft auch kreative Kräfte freisetze, das werde oft übersehen.
Der äthiopische Autor Asfa-Wossen Asserate plädierte für eine andere Politik Europas gegenüber Afrika. "Wenn wir in Europa wollen, dass weniger Menschen kommen, müssen wir alles dafür tun, dass Menschen in Afrika in menschenwürdigen Umständen leben können", so Asserate. Der deutsch-russische Künstler Wladimir Kaminer erklärte das Fremd-sein zu einem "normalen Zustand". "Wir sind nur zu Gast hier, aber wir tun oft so, als würde die Erde nur uns gehören", sagte Kaminer.
(APA / red.)
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© Bregenzer Festspiele/ Hannes Wiederin
Die Aida-Premiere 2010 ist Stefanos Lazaridis gewidmet. Der im Mai verstorbene Bühnenbildner war zwischen 1989 und 1999 für vier herausragende Produktionen der Bregenzer Festspiele verantwortlich. Wenige Minuten vor Start der Vorstellung ließ die Festspielleitung auf den zwei seitlichen Bildschirmen links und rechts der Kulisse seine Bühnenbilder in einem kurzen Film Revue passieren.
© Bregenzer Festspiele/ Hannes Wiederin
Videobotschaften bei der Festspieleröffnung zum Themenschwerpunkt "In der Fremde".
Botschaften von:
- Galsan Tschinag: Schriftsteller, Schamane
- Helge Timmerberg: Journalist, Reiseschriftsteller
- Asfa-Wossen Asserate:Unternehmensberater, Autor
- Wladimir Kaminer: Schriftsteller, Kolumnist, DJ
- Ilja Trojanow: Schriftsteller, Übersetzer

























